Thesis Workshop
Erste Mindmaps
Versuche im Raum
Bewegte Versuche
Inspirationen
Text-Entscheid

Thesis Workshop
13. - 24. Januar

Ich wusste bereits früh, dass ich mich mit dem Theater auseinandersetzen will. Meiner Meinung nach ist das Theater wie keine andere Kunstform in der Lage, eine Geschichte oder ein Gefühl dem Zuschauer zu vermitteln. Das Theater hat eine Echtheit in seiner ästhetischen Form wie sie nur selten vorkommt. Mich interessiert dabei im Speziellen, inwiefern sich der visuelle Gestalter in einen dramaturgischen Prozess einbinden kann.

Die folgenden Stichworte waren erste Notizen zu Themen-Ideen:


Theater als Hauptthema

Suche nach der Verbindung vom Theater und der visuellen Kommunikation

Extreme Reduktion
Ästhetik des Stillen

Ästhetik des Bühnenbildes

Wie sieht ein Bühnenbild eines Grafikers aus?
Wie kann ein Grafiker sich beim Prozess einschalten.

-> Filmische und Fotografische Momente

Suchen nach einem Thema, welches mich in meinem Studium fasziniert hat
-> Mediale Vielfalt
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Als grosse Inspiration sah ich mein Projekt aus dem Herbstsemester 2019, indem ich für den japanischen Klassiker "Rashomon" einen neuen Vorspann kreierte.
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Erste Mindmaps

Fragen:
Welches Publikum soll die Arbeit ansprechen?
Bestehendes Material Benutzen?
––––––– Theater/Prosa?

Schauspieler? Oder reicht die Immersion der Bilder?

Connection zur Visuellen Kommunikation
Multimedialität als Thema
––––––– Foto/Video/Ton
––––––– Warum Sprechtheater, wenn andere Medien die Realität längst besser abbilden können?
–––––––––––––– Problem für junge Leute. -> Sprache als Realitätsabbilung ist veraltet und nicht jung genug

Was ist Multimedialität?
Welche Medien fallen in die Multimedialität?
Wieviel brauchts für das „Multi“?
Was wird bereits gemacht?
Was habe ich bereits gemacht?
Gibt es eine zu befolgende Regel?
Was ist klassisches Theater?

Ursprüngliche Form des Theaters?
––––––– Heutige Umsetzungen
––––––– Postdramatisches Theater
––––––– Als Verbindungspunkt zwischen Sprechtheater und Medialität

Wieso interessiert mich das Thema?
––––––– Studijob
––––––– Eigene Schauspielerfahrung
––––––– Vater im Theater
––––––– Interesse an Prosa und Poesie

-> Theater schauen gehen!!!!
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Versuche im Raum

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Bewegte Versuche

Auch bereits in Zusammenhang mit einem gesprochenen Text

Inspirationen

Bas Princen - Biennale
Bill Viola - The Sleepers
Gary Hill - Tall Ships
Ryoji Ikeda - data-verse
Studio Azzuro - Il coro
Hiroshi Sugimoto - Theaters
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Entscheidung für den Text "Lenz" von Georg Büchner

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Es wurde mir je länger je mehr bewusst, dass ich mich mit einem bestehenden Werk auseinandersetzen will und jenes neu interpretieren will. Damit würde ich mir einen thematischen Rahmen für meine Untersuchungen und Experimente geben.

Die Entscheidung fiel schlussendlich auf den Prosatext „Lenz“ von Georg Büchner. Zum einen hat der Text eine übersichtliche Länge mit nur 25 Seiten, was es realistischer macht, die Geschichte in seiner vollen Länge zu behandeln, als wenn ich ein Theaterstück mit 150 Seiten untersuchen würde. Zum andern ist der Text auch höchst poetisch und visuell beschreibend ausformuliert, was auch der zeitliche Verortung des Stückes in der Sturm und Drang Phase verschuldet ist. Dies macht es mir als Gestalter einiges leichter, die beschriebenen Sachverhalte visuell zu übersetzen. Hier soll eine kurze Inhaltsangabe des Stückes folgen:


Georg Büchner veröffentlichte den Prosa-Text „Lenz“ im Jahr 1839. Die Geschichte handelt vom Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz und seinem immer schlechter werdenden Geisteszustand. Büchners „Lenz“ basiert hauptsächlich auf Briefe von Lenz selbst, wie auch auf die Beobachtungen des Pfarrers Oberlin, welche er schriftlich festgehalten hat. Gerade auch deswegen wird Büchner in Verbindung mit er Geschichte oft das Plagiat vorgeworfen, denn gut die Hälfte des Textes wurde wortwörtlich von Oberlins Überlieferungen übernommen.

Man trifft Lenz am Anfang der Geschichte in den Bergen auf einem Weg an, wandernd in das Bergdorf Waldbach zu Pfarrer Oberlin. Lenz’ geistliche Sensibilität strahlt bereits in den ersten Sätzen heraus:

«Er ging gleichgültig (…), es lag ihm nichts am Weg, bald auf- bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehn konnte».

Die Natur um ihn herum erscheint ihm wie vernebelt, ihm ist die kalte Winterluft der Berge gleichgültig, er hört die Felsen sprechen und den Wind schreien, es ist ihm, als «jage der Wahnsinn auf Rossen hinter ihm.». Verloren zwischen den Gipfeln taumelt er also den Weg entlang, bipolar, wie er es nun immer mehr zu sei scheint.

«er dehnte sich aus und lag über der Erde, er wühlte sich in das All
hinein, es war eine Lust, die ihm wehe tat; oder er stand
still und legte das Haupt ins Moos und schloss die Augen halb,
und dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm,
sie wurde klein wie ein wandelnder Stern
und tauchte sich in einen brausenden Strom, der seine
klare Flut unter ihm zog. Aber es waren nur Augenbli-
cke, und dann erhob er sich nüchtern, fest, ruhig als
wäre ein Schattenspiel vor ihm vorübergezogen, er
wusste von nichts mehr. »

Angekommen im Dorf Waldbach heisst ihn Pfarrer Oberlin willkommen. Den Abend verbringt er im Gasthaus, wo ihn die familiären Verhältnisse an seine eigene Kindheit erinnert. Als er jedoch sein kahles und kühles Quartier im nahegelegenen Schulhaus bezieht, überkommt ihn die Melancholie und der Wahnsinn wieder. Erst nachdem Sturz in den kalten Brunnen und dem eigenen Zufügen von Schmerz, was seine Fremdheit zum eigenen Geist und dem Körper verbildlicht, kommt er wieder zur Ruhe.

Die darauffolgenden Nächte werden zur Qual für Lenz,
« (…) es war ihm als sei er blind; jetzt wuchs sie,
der Alb des Wahnsinns setzte sich zu seinen Füßen,
der rettungslose Gedanke, als sei alles nur sein Traum,
öffnete sich vor ihm, (…) »

Lenz’ Geisteszustand ist bei Tageslicht vergleichsweise gesund, auch dank seiner Assistenz bei Oberlin. Sobald jedoch die Dunkelheit einbricht verliert sich Lenz in sich und seiner Schwermütigkeit und Melancholie wieder. Lenz nimmt sich Oberlin als Geistesperson und mit seiner Verbindung zu Gott und dem Glaube an dessen Werk als Exempel und findet kurzweilig seinen Frieden im Glauben an eine, von Gott geschaffene, ganzheitliche Welt. Die Befriedigung in der Bibel hält jedoch nur für kurze Zeit und die Trauer und das Leid ob dem eigenen Sein umschlingt Lenz schliesslich komplett.

Der Besuch seines Freundes Christof Kaufmann markiert einen Kernpunkt in der Geschichte. In der gemeinsamen Diskussion gegen eine idealistische Literatur und ihre Idee, «dass die Wirklichkeit in radikaler Weise durch Erkenntnis und Denken bestimmt ist» kann sich Lenz sammeln und ist wieder bei sich. Erst als ihm Kaufmann rät, wieder zurück zu seinem Vater zu gehen, bricht Lenz das Gespräch ab. Lenz sieht ein, dass sein Aufenthalt in den Bergen die einzige Möglichkeit ist, seine Krankheit, welche auch der Kranke selbst je länger je mehr ein sieht, zu kurieren.

Die gemeinsame Abreise von Kaufmann und Oberlin ist Wendepunkt für Lenz’ Krankheit. Er begleitet die beiden noch bis zum Ende des Gebirges und kehrt zur einsamen und alleinigen Rückreise. Auf der Reise durch das menschenleere Tal findet er Rast in einer kleinen Berghütte, wo ein todkrankes Kind im Bett liegt. Als Lenz später wieder in Waldbach zurückgekehrt ist, erfährt ihn die Nachricht, ein Mädchen sei in den Bergen gestorben. In seinem Wahn packt ihn die Religion, worauf er zur Beghütte pilgert, wo er, «wie Jesus von Nazareth das Mädchen (wie Lazarus) wiederbeleben müsse» . Doch als er, dort angekommen, das lebensleere und kalte Mädchen vor sich aufgebahrt sieht, überkommt ihn das Misstrauen in Gott und der Atheismus.

«Lenz musste laut lachen, und mit dem Lachen griff
der Atheismus in ihn und fasste ihn ganz sicher und ruhig und fest.»

Als Oberlin von seiner Reise zurückkehrte und von Lenz’ verschlimmertem Geisteszustand und seinem Zweifeln in Gott erfährt, rät er ihm, in Jesus Friede zu finden. In seinem Wahn beichtet Lenz, er habe das Mädchen ermordet. Nach diesem Klimax der Depression findet Lenz nur noch selten ruhige Momente. Nach wiederholten Suizidversuchen lässt Oberlin Lenz nach Strassbourg transportieren, in der Hoffnung die Abreise aus dem Bergdorf würde auch ein Ende Lenz’ Depression bedeuten.
In Strasbourg angekommen spricht Lenz ruhig und konzentriert mit den Menschen.

«(…)ganz vernünftig, sprach mit den Leuten;
er tat Alles wie es die Anderen taten, es war aber
eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine
Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm
eine notwendige Last. – So lebte er hin.»